Aktuelles

fluchtlinien
eine elektroakustische performance
Herta Reich war zwanzigeinhalb Jahre alt, als sie Österreich in zwei Tagen verlassen musste. Ihr Zeugnis erzählt von einer Flucht, die fast fünf Jahre dauerte und keine Rückkehr kannte.
Fluchtlinien nimmt diesen Text als Ausgangspunkt für eine elektroakustische Performance, die zwei Wege parallel führt: Herta Reich, die aus der Steiermark durch Europa nach Palästina getrieben wird, und einen spanischen Freiheitskämpfer, der durch denselben zerstörten Kontinent zieht und in Mauthausen endet. Zwei Erzählstränge, die dem Modell von Homers Odyssee folgen, sich berühren, aber nicht auflösen.
Die Musik von Adrián Artacho verwebt Herta Reichs Text mit elektroakustischem Material zu einer Serie von Miniaturen für Stimme, Posaune und Zuspielung. Verschiedene Klangebenen überlagern sich: Live erzeugte Klänge begegnen voraufgenommenen, erinnerten Spuren. Die Miniaturen fügen sich aus Fragmenten zusammen – halb erinnerte Skizzen, die weniger einer Chronologie als der Eigenlogik des Gedächtnisses folgen. Wie Erinnerungen treten sie hervor, verschwinden wieder und verbinden sich zu neuen Konstellationen.
Reinhold Schinwalds Verwirbelungen Ib für Posaune und Live-Elektronik bildet einen weiteren Strang: Impulslose Schwellklänge der Posaune werden über ein Feedback-Delay-Netzwerk zu einem räumlich aufgespannten Klangkontinuum verarbeitet. Die Verwirbelungen sind dabei sowohl kompositorische Technik als auch Metapher: Strudel, die alles, was in sie hineingerät, in Bewegung versetzen und seiner Kontrollierbarkeit entziehen. Was das Delay-Netzwerk festhält und wieder freigibt, spiegelt die Bewegung der Flucht selbst: das Stocken, das Einfrieren, das erneute Fortgetriebenwerden.
· Komposition, Performance, Lichtkonzeption: Adrián Artacho
· Komposition, Live-Elektronik: Reinhold Schinwald
· Posaune: Stefan Obmann
· Stimme, Textfassung, Dramaturgie: Gina Mattiello
In Kooperation mit büro lunaire.
vogelfuß, menschenschuh
vogelfuß, menschenschuh geht es um das Leichte, das Spielerische, das Übermütige in den Gedichten des „Luftikus“ Christian Loidl, Natur- und Liebesgedichte, Ironisches und Witziges, und nicht zuletzt Haikus und Kurzgedichte.
membra disiecta
Komposition & Live-Elektronik: Reinhold Schinwald
Text, Konzeption, Stimme: Gina Mattiello
Kostüm: Flora Miranda
membra disiecta
für Kontrabassklarinette, Stimme und Live Elektronik (2016/2017)
membra disiecta läßt sich mit zerstreute oder zerrissene Glieder übersetzen und bezeichnet aus ihrer organischen Ordnung gerissene Teile eines Ganzen. Der dem Stück zugrunde liegende Text basiert auf den Mythen um „Isis und Osiris“ und beschreibt einen Prozess des Erinnerns, Suchens, Auflesens und Benennens von Körperfragmenten. Für den Ägyptologen Jan Assmann erschließt sich die Zerrissenheit als Todesbild einerseits aus dem altägyptischen Körperbild als eine zur beseelten Einheit verbundenen Vielheit von Gliedern und andererseits aus den Gegenbildern in Gestalt der Todesheilung durch Sammeln, Zusammenfügen, Vereinigen und Verknüpfen. Der tote Körper als membra disiecta soll Lähmung überwinden und Handeln ermöglichen. Dieses metaphorische Todesbild dient also als Folie für das Lebensbild, in der der Körper durch den Vollzug von Einbalsamierungsritualen überführt werden soll. Bei den Ritualen wird der Tote ununterbrochen angeredet. Dieser Sprachstrom hat die Funktion, die zerstreut vorgestellten Gliedmaßen in einen Text zu versammeln, der sie als neue Einheit beschreibt (Reinhold Schinwald)
Der Text von Gina Mattiello entstand 2016.
10 Jahre büro lunaire

kofomi#30/2026 - Das Blaue vom Himmel – dreißig Jahre Ortsbezug
Das Blaue III
CD-Präsentation APNOIA, Sigrid Trummer, Klavier, mit Werken von Katharina Klement, Elisabeth Harnik, Maria Gstättner, Judith Unterpertinger und Julia Purgina sowie Lesung aus Topographie des Schweigens: Gina Mattiello

foris
foris versammelt sieben Positionen zeitgenössischer Musik, die sich der Grenze zwischen Innen und Außen widmen: dem Körper und seiner Umgebung, dem Instrument und seiner Erweiterung, der Stimme und dem, was sie überschreitet. Ein Abend, der zwischen analytischer Strenge und performativer Entgrenzung oszilliert.
Peter Ablinger — Weiss / Weisslich 21a, Analytische Integration (1996), für türkisches Becken und Streichinstrument ad lib.
Simon Steen-Andersen — Study for String Instrument #3 (2011), für Violoncello und Video
Alexander Schubert — Your Fox's a Dirty Gold (2011), für Solo-Performer·in — Stimme mit Bewegungssensoren, E-Gitarre und Live-Elektronik
Franck Bedrossian — la solitude coureur du fonds (2000), für Saxophon
Marco Döttlinger — corpus XI (2025), für Stimme, Saxophon, Violoncello, E-Gitarre, Schlagwerk und Live-Elektronik
Katarina Gryvul — SHCHERB (2025), für E-Drums, Midi-Keyboard und E-Gitarre
Reinhold Schinwald — HYDRA (2025), Text: Heiner Müller, Herakles 2 oder die Hydra, für Sprecherin, Saxophon, Violoncello, E-Gitarre, Schlagwerk und Live-Elektronik
· Konzept: büro lunaire
· Stimme, Performance: Gina Mattiello
· Klangregie, Live-Elektronik: Reinhold Schinwald
· Saxophon: Yukiko Krenn
· Violoncello: Barbara Riccabona
· E-Gitarre: Márk Seres
· Schlagwerk: Igor Gross
· Dirigat, Keyboard: Jaime Wolfson
· Kostüm: Flora Miranda
In Kooperation mit Komponist:innenforum Mittersill.

caput mortuum
Die Restauratorin Laura Noves reist von Wien nach Pisa, um am Fresko Trionfo della Morte zu arbeiten. Der Roman folgt der Struktur von Petrarcas Trionfi – Liebe, Verlust, Vergänglichkeit – und verwebt die historischen Quellen des Freskos mit den Sedimenten einer weiblichen Genealogie, die sich dem Erinnern entzieht. Die Familiengeschichte zeigt sich nur in Bruchlinien, Lücken und Widersprüchen. Was sich nicht rekonstruieren lässt, wird zur eigentlichen Aussage – die Fehlstelle als Bedeutungsträger.
Ein Auszug erschien im Jahrbuch des Österreichischen Schriftsteller:innenverbandes 2024/25.
Aufzeichnungen einer Blinden
Portraitkonzert – Reinhold Schinwald
u.a. HYDRA
· Text: Heiner Müller, Herakles 2 oder die Hydra
· Für Stimme, Saxophon, Violoncello, E-Gitarre, Schlagwerk und Live-Elektronik
· Stimme: Gina Mattiello · Kostüm: Flora Miranda
JONKIPEL
Texte von Gert Jonke im Zentrum
mit Vertonungen weiterer Jonke-Preisträger:innen
· Kompositionen & Elektronik: Wolfgang Seierl
· Viola: Lena Fankhauser
· Stimme: Gina Mattiello
Schiffbruch mit Zuschauer
· Text: Stefan Schmitzer
· Konzept und Dramaturgie: büro lunaire
Kompositionen (UAs): Alexander Bauer · Florian Kindlinger · Reinhold Schinwald · Germán Toro Pérez · Tímea Urban
· Elisa Azzarà: Flöte
· Pablo Marin-Reyes: Posaune
· Philipp Lamprecht: Schlagwerk
· Gina Mattiello: Stimme
· Reinhold Schinwald: Klangregie & Live-Elektronik